Rückblick YES!CON 2026

Mein Rückblick auf die YES!CON 2026

Warum wir alte Gräben zuschütten und die Onkologie neu denken müssen

“Für mich war dieser Weg nach Berlin jedoch weit mehr als nur ein professioneller Termin. Im Nachhinein kann ich sagen: Es war ein zutiefst emotionaler Meilenstein.”

Meine persönliche Reise zur YES!CON 2026 in Berlin begann mit einem ganz konkreten Versprechen: Die wunderbare Nella Rausch hatte mich gebeten, bei der Lesung ihres neuen Buches “Fliegen mit verklebten Federn” dabei zu sein, für das ich einen kleinen Beitrag zum Thema Integrative Ernährung beisteuern durfte. Für mich war dieser Weg nach Berlin jedoch weit mehr als nur ein professioneller Termin. Im Nachhinein kann ich sagen: Es war ein zutiefst emotionaler Meilenstein.

Ganz genau 12 Jahre ist es her, dass ich meine eigene intensive medizinische Behandlung nach meiner Krebsdiagnose im Jahr 2014 abgeschlossen habe. In den Jahren danach habe ich zwar viele Vorträge gehalten und Bücher geschrieben, mich aber irgendwann bewusst aus der ganz großen Öffentlichkeit zurückgezogen. Nicht, weil ich nichts mehr zu sagen hatte, sondern um mich selbst, meine Energie und meine Grenzen zu schützen. Die YES!CON 2026 war das erste Mal seit über einem Jahrzehnt, dass ich mich diesem intensiven Feld wieder geöffnet habe. Und ich kann dir sagen: Ich habe es keine einzige Sekunde bereut.

Inhaltsübersicht

Wenn es auf der YES!CON „menschelt“:
Der Spagat zwischen Kopf und Bauch

Was diese Tage in Berlin so einzigartig macht, lässt sich am besten mit einem Wort beschreiben: Es menschelt. Auf den Gängen, in den Pausen und auf den Bühnen begegnen sich Menschen mit den verschiedensten Hintergründen. Unterschiedlichste Sichtweisen trafen aufeinander und ich wähle hier ganz bewusst das Wort treffen und nicht prallen. Denn im Kern ging es darum, den betroffenen Menschen in seiner Betroffenheit in den Mittelpunkt zu stellen.

Das spürte man besonders bei der Verleihung des Ring of Courage an die mutige Patrice Aminati, die uns alle mit ihren Worten tief bewegte:

Patrice Aminati Shine a light Award 2026

Glaub der Diagnose, aber niemals der Prognose. Man muss nicht jeden Tag stark sein, aber weitermachen, die Hoffnung behalten – jeder kleine Schritt zählt.

Diese Aussage und die zutiefst berührende Art, wie sie ihre Geschichte erzählte, hat alle Zuhörer im Raum tief bewegt. Sie hat uns gezeigt: Wir können zauberhaft aussehen, zugewandt und liebevoll durchs Leben gehen und dennoch die größten, unsichtbaren Herausforderungen mit uns tragen. Unsere Verletzlichkeit als Mensch zeigt sich eben oft erst auf den zweiten Blick.

In vielen Momenten auf der YES!CON wurde mir wieder bewusst, wie sehr wir manchmal dazu neigen, ein festes Bild von Menschen, Ereignissen und Schicksalen im Kopf zu haben und wie wenig dieses doch mit der echten Realität zu tun hat. Tränen fließen, und im nächsten Moment werden sie mit einem tapferen Lächeln relativiert. Das ist zutiefst menschlich. Es braucht keine Bewertung oder Einordnung, sondern einfach nur Verständnis, für sich selbst, den eigenen Körper und die ganz persönliche Geschichte.

Das gilt für uns selbst und natürlich auch für unseren Blick auf andere Menschen.

Der Ernährungs-Dschungel:
Wenn Kasteiung die Heilung blockiert

Besonders intensiv wurde es für mich auf den Panels beim Thema Ernährung. Wenn du heute die Diagnose Krebs erhältst und anfängst zu recherchieren, landest du unweigerlich in einer totalen „Problem-Trance“ voller Widersprüche. Zucker verbieten? Nur noch vegan leben? Oder komplett ketogen ernähren? Viele Frauen kasteien und geißeln sich aus lauter Angst vor Fehlern selbst, was den ohnehin enormen Leidensdruck und Stress nur noch weiter in die Höhe treibt.

Einerseits war es gut zu hören, wie wichtig ein stabiles Gewicht während der heißen Phase einer Krebstherapie ist. Andererseits gab es durchaus Diskussionspunkte, ob Chips und Cola dafür eine passende Strategie sein könnten. Grundsätzlich war auf den Bühnen der YES!CON eine pragmatische, liebevolle und wissenschaftlich untermauerte Tonalität zu hören!

Julia Kiener (selbst betroffen von einem Zungenkarzinom) sprach mir auf dem Panel aus der Seele, als sie erzählte, wie sie anfangs wegen einer simplen Tiefkühlpizza ein schlechtes Gewissen hatte:

Am Anfang war ich so:
Oh Gott, jetzt auch noch eine Tiefkühlpizza, dein Ernst Julia? Hast du das jetzt hier alles überstanden, um jetzt eine Tiefkühlpizza zu essen?
Aber am Ende, wenn mir die Tiefkühlpizza in dem Moment echt mein Soulfood ist […] why not?“

Auch der Ernährungswissenschaftler Dr. Malte Rubach und Lars Selig (Leiter der Ernährungsmedizin am Universitätsklinikum Leipzig) räumten mit Verboten auf. In der heißen Therapiephase, wenn der Körper durch Übelkeit und Geschmackstoxizitäten geschwächt ist, gilt: Hauptsache, es kommt Energie rein!

Die Teilnehmer des Ernährungspanels YES!CON 2026

Der feine Spagat: Notfall-Treibstoff vs. nachhaltige Lebenspflege

Wenn in einer harten Chemowoche aufgrund extremer Übelkeit absolut nichts anderes im Körper bleiben will, dann sind eine Handvoll Chips oder Cola in diesem Moment völlig legitim. Sie dienen als reiner Notfall-Treibstoff, um eine lebensbedrohliche Mangelernährung (Kachexie) und den akuten körperlichen Verfall zu verhindern. In solchen Ausnahmesituationen ist die Zufuhr von Energie und Elektrolyten schlichtweg überlebenswichtig. 

Doch als betroffener Mensch und Therapeutin ist mir eine differenzierte Betrachtung dieses Themas eine Herzensangelegenheit, denn diese Ausnahmeregelung sollte kein Freifahrtschein für eine dauerhaft ungesunde Ernährungsweise werden, auch hat aus meiner Perspektive die Ernährung einen durchaus größeren Einfluss auf die Gesundheit, als das das teilweise im Panel, durch einzelne Aussagen, vermittelt wurde. 

Denn es geht nicht nur um die akute Lebenssituation, sondern auch darum, dass wir als betroffene Menschen ein Werkzeug haben, das wir tagtäglich nutzen können. Das heißt nicht alles perfekt zu machen, es geht mir darum, aktiv an der eigenen Lebensgeschichte mitwirken zu können. Auch und besonders dann, wenn wir uns ansonsten auf andere verlassen müssen. 

Aufzeichnung: Ernährungspanel 2026 YouTube

Punkte die mir wichtig erscheinen

    • Die Gefahr der Dauerlösung: Wenn Chips und zuckerhaltige Limonaden aus Bequemlichkeit oder Gewohnheit dauerhaft auf dem Speiseplan bleiben, entziehen sie dem Körper langfristig die Baustoffe, die er für die echte Regeneration nach der Therapie dringend benötigt.
    • Es gibt die PREDIMED-Studie, die bis heute größte randomisierte kontrollierte Interventionsstudie zur Primärprävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch mediterrane Ernährung Die Ergebnisse belegen kausal, dass eine mediterrane Ernährung, die mit nativem Olivenöl extra oder gemischten Nüssen ergänzt wird, nicht nur das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse um rund 30 % senkt. Es geht auch um eine entzündungsfreie Ernährung, die rund um eine Krebstherapie sinnvoll ist.
    • Mein Blick aus Richtung der Integrativen Ernährung nach TCM: Eine individuell passende, thermisch ausgewogene Ernährung ist eine der tragenden Säulen der Gesundheit. Aus Sicht der TCM schwächen eiskalte, hochverarbeitete und überzuckerte  Nahrungsmittel das so wichtige „Milz-Qi“ (unser Verdauungsfeuer). Ohne dieses Feuer können wir keine neue Lebensenergie (Qi) aufbauen.

„Wir sind keine Hochöfen, wo man da oben was reinsteckt und dann kommt Energie raus, sondern wir sind komplexe Wesen, die mehr brauchen als nur Energie, um gesund zu bleiben.“

Sarah Wiener, hat mir sehr aus dem Herzen gesprochen, den Essen soll kein religiöser Akt sein, wo du dich kasteien willst oder musst. Selbst kochen bietet uns Freude und Genuss und mit ihrer Arbeit unterstützt sie das tatkräftig von Kindesbeinen an. Sarah Wiener Stiftung

Es gilt also: 

In der akuten Krise voller Sanftheit Ja zu dem sagen, was überhaupt reingeht – aber sobald sich der Sturm legt, den Weg zurück zu einer lebendigen, wärmenden und nährenden Küche finden. 

Gleichzeitig geht es darum, ein Verständnis dafür zu vermitteln weshalb bestimmte Gewohnheiten kontraproduktiv sind. Lars Selig berichtete hierzu passend von einer Patientin, die vor lauter Angst vor „Zucker und Krebs“ am Ende nur noch Himbeeren aß und prompt in eine schwere Mangelernährung rutschte. Angst ist ein schlechter Ernährungsberater!

Was sagt die Wissenschaft? Der Leitlinien-Check

Als Beraterin für Integrative Ernährung ist es mir wichtig, dass wir uns von populärwissenschaftlichen Extremen lösen und auf das schauen, was auch klinisch wirklich Hand und Fuß hat. Die offiziellen ESPEN-Leitlinien (European Society for Clinical Nutrition and Metabolism) und die deutsche S3-Leitlinie zur Supportivtherapie (2025) stützen genau diesen Weg der Mitte:

  1. Keine radikalen Diäten: Die ESPEN-Leitlinie warnt unter Recommendation 8 ausdrücklich vor Diäten, die die Energiefuhr willkürlich einschränken (wie die ketogene Diät ohne medizinische Begleitung). Ohne qualifizierte Begleitung erhöhen sie lediglich das Risiko für gefährliche Nährstoffdefizite. (Ich leite hier Menschen an Expertinnen auf diesem Gebiet weiter, da ich in diesem Fachbereich keine umfassende Begleitung anbiete.)
  2. Der erhöhte Eiweißbedarf: Im Kampf gegen den Muskelabbau empfiehlt die Wissenschaft eine Proteinzufuhr von 1,2 bis 1,5 g/kg Körpergewicht pro Tag (ESPEN Rec. 4). Ob pflanzlich oder hochwertig tierisch (wie eine Bio-Hühnerbrühe nach TCM), ist dabei für den Körper zweitrangig.
  3. Omega-3 als Entzündungshemmer: Hochwertiges Fisch- oder Algenöl (EPA/DHA) wird explizit empfohlen (ESPEN Rec. 16), um den Appetit zu stabilisieren, die gefürchtete Fatigue zu lindern und sogar Chemotherapie-induzierte Nervenschäden (Neuropathien) abzumildern.
  4. Bewegung ist kein Luxus, sondern Therapie: Die S3-Leitlinie und die Experten vor Ort betonen unermüdlich: Bewegung, insbesondere das gerätegestützte Krafttraining (Onkologische Trainingstherapie – OTT), erhält die überlebenswichtige Muskelmasse. Auch sanfte, zentrierende Methoden wie Yoga, QiGong helfen nachweislich dabei, das strapazierte Nervensystem zu beruhigen und neue Kraft zu schöpfen.
  5. Seelische Gesundheit & Positive Psychologie als Therapiepfeiler: Eine Krebsdiagnose reißt uns immer auch in eine existenzielle emotionale Krise. Die S3-Leitlinie Psychoonkologie stellt unmissverständlich klar: Professionelle psychoonkologische Unterstützung ist kein optionales „Zusatz-Goodie“, sondern unverzichtbarer Kern einer modernen Krebstherapie. Auf der YES!CON wurde intensiv über das Recht auf mentale Gesundheit gesprochen. Dabei geht es nicht um krampfhafte „toxische Positivität“, sondern um wissenschaftlich fundierte Ressourcenorientierung genau das, was wir auch in meiner Arbeit (zum Beispiel mit der traumasensiblen Begleitung oder dem stärkenden wingwave®-Coaching) leben. Indem wir aktiv Inseln der Freude schaffen und uns auf das besinnen, was uns nährt, stärken wir über die biochemische Achse der Psychoneuroimmunologie nachweislich unsere Selbstheilungskräfte und lindern Symptome wie chronische Fatigue.

Dr. Arigantius Schnibbelstanz und Agatha Bauchgefühl

Auf der Community Stage durfte ich dieses Jahr selbst kreativ werden. Mit im Gepäck hatte ich zwei ganz besondere Begleiter aus der künstlerischen Werkstatt von Theater Maskara (Frieder Kahlert): Zwei ausdrucksstarke Ledermasken, die mir geholfen haben, das oft so starre Dilemma zwischen Kopf und Bauch spielerisch sichtbar zu machen.

Dr. Arigantius Schnibbelstanz und Agatha Bauchgefühl haben auf der Bühne nicht nur für eine wunderbare Heiterkeit gesorgt, sondern auch für tiefe Nachdenklichkeit. Sie symbolisieren exakt den Spagat, den so viele Betroffene tagtäglich meistern müssen: Die kühle, rationale Welt der klinischen Apparate-Medizin auf der einen Seite und das feine, oft zutiefst verunsicherte Vertrauen in das eigene Körpergefühl auf der anderen Seite.

Community Stage YES!CON 2026

Gräben überwinden für eine menschlichere Medizin

Mein wichtigstes Fazit dieser YES!CON betrifft die Zukunft der Begleitung. Jahrelang war mir als Heilpraktikerin (ausschließlich für Psychotherapie) und Integrative Ernährungsberaterin nach TCM der ganz offizielle Zugang zu rein medizinischen, evidenzbasierten Fortbildungskonzepten oft verwehrt. Man wurde in Schubladen gesteckt: Hier die Schulmedizin, dort die Naturheilkunde.

Doch die Onkologie von heute ist zumindest, was die Experten der YES!CON betrifft schon weiter. Auf der Konferenz wurde überdeutlich, dass die Schulmedizin unsere ganzheitliche Begleitung braucht. Die hochpräzise moderne Gen- und Biomarker-Diagnostik ist ein Segen. Aber was nützt die beste Medizin, wenn die Menschen sie nicht nutzen wollen, weil sie die Folgen fürchten. 

Wir müssen den Betroffenen die Angst vor der „Maschine Onkologie“ nehmen, auf die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen eingehen und auch Zweifel und Fragen aushalten. Und wir müssen Behandler dafür sensibilisieren, dass achtsame Sprache und Kommunikation, ebenso wie eine warme Mahlzeit, eine Tasse wärmender Tee oder eine sanfte Körperarbeit keine Bedrohung für ihre Therapie sind, sondern vielmehr das fehlende Puzzleteil  für „integrative Lebenspflege“ und Substanzerhalt, damit der Körper die harten Behandlungen überhaupt durchsteht und Patienten und Patientinnen ihre Selbstwirksamkeit zurückerlangen.

Das erste Mal seit Jahren hatte ich in Berlin das Gefühl: Es tut sich was. Die Barrieren bröckeln. Wenn wir als ganzheitliche Therapeuten Hand in Hand mit den medizinischen Zentren arbeiten, schaffen wir eine Onkologie, die den Menschen wirklich ganzheitlich auffängt.

Wir sind nicht allein. Lasst uns diesen wunderbaren Rückenwind nutzen, um Schritt für Schritt Gewissheit, Kraft und echte Lebensfreude in deinen Alltag zurückzubringen.

In tiefer Verbundenheit,

Deine Martina
Die LebenskräfTigerin®

Die LebenskräfTigerin®

Ein ganzheitlicher Ansatz für Wohlbefinden und Vitalität

Als LebenskräfTigerin® verfolge ich einen ganzheitlichen Ansatz für das Wohlbefinden und die Gesundheit meiner lieben Klienten, meistens Frauen 50+, die nochmal neu durchstarten möchten. Ich konzentriere mich auf die Pflege von Körper und Geist für optimale Gesundheit und Vitalität. Meine umfassende Methodik umfasst Psychotherapie (n. d. Heilpraktikergesetz), Coaching, Ernährungsberatung und emotionale Unterstützung. 

Alles ist darauf ausgerichtet, dich auf deinem Weg zum Wohlbefinden zu unterstützen. Speziell für Menschen, die mit gesundheitlichen Herausforderungen wie Krebs zu kämpfen haben, biete ich dir mit meinem Lebenszeichen Programm ein individuelles Coaching und ganzheitliche Methoden, um die Lebensqualität insgesamt deutlich zu verbessern. 

Ein friedlicheres, gelasseneres Leben wird durch diese Art der Begleitung möglich. Aus beruflicher und privater Erfahrung weiß ich, viele kleine Schritte führen oftmals schneller ans Ziel, als wir uns das inmitten der Krise vorstellen können.

Es ist einfacher als du glaubst, und tiefgreifender als du denkst!

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